Brügge
Van Eyck / Memling / Rodenbach / Khnopff / Museum Sint-Jans Hospital / Heiligenblut Kapelle / Michelangelo / Beginenhof / Jerusalem Kirche / Gruuthuus / Groening Museum /
Die Schöne, die Perle Flanderns, tote Stadt
Brügge war direkt mit dem Meer verbunden, was die Stadt zu einer der reichsten Handelsplätze des Mittelalters gemacht hatte. Im 10. und 11 Jh. reichte der Zwin, ein Meeresarm, bis an den Stadtrand. Über das Minnewater erreichten Schiffe, die z.B. Schafwolle aus England einführten und daraus hergestelltes flandrisches Tuch wieder exportierten, das Zentrum der Stadt. Der Zunahme von Sandbänken wurde im 12. und 13. Jh. mit dem Bau von Vorhäfen in Damme und Sluis begegnet, was der Blüte der größten europäischen Handelsstadt weiter Vorschub leistete. Kaufleute aus 17 Nationen eröffneten Handelskontore und Konsulate rund um den Jan-Van-Eyck-Platz.
Brigitte Doppange beschreibt für die Sinne sehr anschaulich in "Von Brügge nach Gent" das mittelalterliche Brügge als internationalen Marktplatz:
"Mit südwestwindgefüllten Segeln bringen Venezianer Rohrzucker aus Ägypten, sizilianische Apfelsinen und Zypernwein. Die Düfte von Lavendel, Kardamom, Nelken und Myrrhe durchwürzen die Luft am Hafen. Seiden Edelsteine, Brokate, Gummiarabicum und sogar Käfige mit Löwen und Affen werden an den Kais ausgeladen. Spanische Schiffe füllen die Körbe mit einer Vielfalt an Früchten, die direkt aus dem Garten Eden zu kommen scheinen: Zitronen und Mandeln, Granatäpfel, Oliven, Ananans und Trauben. Andalusien schickt Honig und gelbes Öl, feinste Ledertapete aus Cordoba, Bienenwachs und Kork. Getreide, Holz und Eisen aus Deutschland werden gegen Kupfer aus Polen und böhmisches Gold getauscht. Perlen aus der Tartarei wandern von Hand zu Hand, Süßholz und Safran aus Asien, Hermelinfell und russischer Tee wechseln den Besitzer, die Norweger stapeln Büffelhäute auf den Landungsstegen und füllen heilende Salben in Fässer. Französisches Papier wird direkt in die Schreibstuben gebracht, fetter Käse von den schottischen Inseln auf Pferdewagen geladen, und in all dem Getriebe läßt vielleicht ein Kaufmann eine Kiste mit Gläsern aus Konstantinopel fallen, oder ein Bettler stiehlt einen Sack mit senegalesischen Datteln."
Beeinträchtig wurde das wirtschaftliche Wachstum durch politische Wirren der Nachbarländer und Rohstofflieferanten, durch Religionskriege und spanische Herrschaft sowie durch die Pest. Mit der Versandung des Küstengebietes, dem Verlust des Zugangs zum Meer im Laufe des 16. Jahrhundert sank Brügges Stern langsam aber nachhaltig, es verlor immer mehr an Bedeutung.
Die Stadt verfiel - was ihr im Laufe der Zeit jene morbide Aura verliehen haben muss, die George Rodenbach (1855-1898) in seiner Novelle “Brügge - Tote Stadt“ beschrieben hat. Rodenbach selbst illustrierte die Erstausgabe mit 35 Fotografien. Für den verzweifelten Witwer Hugues Viane ist Brügge ein Gleichnis für den Tod und alles Tote schlechthin: „Der toten Frau musste eine tote Stadt entsprechen. Die Stadt, auch sie einst schön und geliebt, verkörperte auf diese Weise seine Klagen. Brügge war seine Tote. Und seine Tote war Brügge. All das vereinte sich in einem gemeinsamen Schicksal. Das tote Brügge selbst lag im Grab seiner steinernen Grachten, denn die Adern seiner Kanäle waren erstarrt, als der große Puls des Meeres aufgehört hatte, hier zu schlagen.“
Fernand Khnopff, belgischer Symbolist und Art Nouveau-Künstler, ebenfalls mit Brügge verhaftet, gestaltete das Titelblatt der Erstausgabe und hielt in vielen seiner Bilder die vernebelte, geduckte, flandrische Stadt fest. Erich Wolfgang Korngold bedient sich in seiner Oper "Die tote Stadt" Rodenbachs Novelle; Uraufführung 1920.
1907 wir ein neuer Kanal zwischen Brügge und der Nordsee gebaut. Ab nun geht es mit Bruges-la-morte, das zu einem beliebten Reiseziel europäischer Intellektueller auf Rodenbachs Spuren geworden ist, wirtschaftlich wieder aufwärts. Der touristische Run ist bis heute ungebrochen.
Im Sommer 2009 präsentiert sich Brügge als völliges Gegenstück einer "toten Stadt": lebendig, bunt, überfüllt erstreckt sie sich entlang der spiegelnden Kanäle, durchsetzt mit einer Melodie des Glockenspiels auf dem Belfried. Die mittelalterlichen Gebäude, Giebelhäuser herausgeputzt vom Zentrum ausgehend bis hinein in ruhige Seitengassen glänzen mit frisch vergoldeten Baudetails... in der Stadt als Museum, in einem denkmalgeschützten, mittelalterlichen Gesamtkunstwerk;
Bryggia
= Platz zum Segel festmachen, verliehen von normannischen Piraten an die ehemalige gallo-römische Siedlung. Der karolingische Ritter Balduin, Gründer einer mächtigen flandrischen Grafendynastie, baute am Ufer der Reie eine Festung gegen die Wikinger. Vier Tore sind von den mittelalterlichen sieben in den Mauern um das eiförmige Zentrum noch vorhanden: Gentpoort, Kruispoort, Smedenpoort (inklusive Glocke, unter deren Klang abends die Stadt geschlossen wurde), und Ezelpoort
Die BURG
Heiligblutbasilika
mit schwarz patinierter Fassade im gotischen Flamboyant-Stil auf dem Burgplatz; romanische Kapelle im unteren Teil, gehörte zur später abgerissenen ältesten Teil Burg, der Residenz der Grafen von Flandern; spätgotischer Oberteil über eine Treppe erreichbar, hölzerne Weltkugel als Kanzel, Marmoraltar, Statuen aus Holz, Schrein aus Gold, Silber und Edelsteinen für den byzantinischen Kristallflakon, der einige Tropfen des Heiligen Blutes Jesu beinhalten soll, das Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land mitbrachten. Zu Christi Himmelfahrt wird die Relique in einer Prozession von Reiterzügen, Schauwägen die von rund 2000 Einwohnern in historischen Kostümen geführt werden, das größte Spektakel in Brügge.
Rathaus
aus dem 14. Jh. Fassade aus Sandstein geschmückt mit Maßwerk, drei spitzen Türmen und vielen Figuren. Im Inneren ein gotischer Saal mit Kreuzrippengewölbe aus Holz.
Ehemalige Stadtkanzlei
Renaissancebau mit den vergoldeten Figuren der Justitia, Moses und Aaron.
Freiamt
klassizistisches Gebäude im südlichen Teil des Burgplatzes, früher Gerichtshof
Minnewater
Das heute romantisches Binnengewässer, gesäumt von Trauerweiden, über das Brügges Symboltiere, die Schwäne gleiten, war früher belebte Anlegestelle für Güter-Schiffe, Lastenkähne, kleine Koggen mit Waren, Passagierboote; Pulverturm "Poertoren" aus dem 14. Jh. neben der Minnewaterbrücke
Gruuthuus
Reiche Kaufmannsfamilie, die das Monopol auf "gruut" besitzt, eine Gewürzmischung für die Herstellung von Bier.
Kirchen
Liebfrauenkirche
Sarkophage mit vergoldeten liegenden Figuren Karls des Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund; Madonna mit Kind von Michelangelo, die einzige Skulptur, die Italien zu seinen Lebzeiten verlassen hat - für rund 100 Dukaten.
Sint-Anna
spätgotische Kirche
St.-Gillis-Kirche
Gräber von den Malern Lancelot Blondeel, Jan Provoost, Hans Memling, Pieter Pourbus
Jerusalemkirche / Jeruzalemkerk
errichtet von den Brüdern Anselmo und Pieter der Kaufmannsfamilie Adorne aus Genua anlässlich einer Reise im Auftrag von Karl dem Kühnen nach Palästina; eine leidige Kopie der Grabkirche von Jerusalem mit dem Grabmal von Anselmo Adorne und seiner Gattin in der Mitte der Kirche
Beginenhof
"Im Weinberg", 1230 von Margarete von Konstantinopel gestiftet, seit den 20er Jahren von Benediktinerinnen bewohnt. Klassizistisches Tor
Museum
Sint Jans Hospital Museum
800 Jahre alter Dachstuhl
Groening Museum
geschlossen wegen Renovierung
Brücken
Peerbrug
Meebrug
Windmühlen
früher 30, heute 3 Öl- oder Kornmühlen am nördlichen Stadtrand: Nieuwe Papegaai, Bonne Chière und Sint-Janshuysmolen. Gegenüber liegen die Häuser der Schützengilden Sint-Joris und Sint-Sebastian, zur Zunft der Bogenschützen, der mächtigsten militärischen Gilde, gehörig, die die Leibgarde der Grafen von Flandern stellten; zu sehen sind in den Zunfthäusern eine Sammlung von Waffen, Wappen, Gemälden; hier traf man sich vor den Kreuzzügen mit der Armbrust und trifft sich bis heute...
Ein paar Minuten bis zum Meer
Knokke, mit der Bahn
Kulturhauptstadt 2002
Pavillion von Toyo Ito am Burgplatz; Einweihung des neuen, architektonisch umstrittenen Festspielhauses, dem Concertgebouw, auf dem 't Zand Platz; Van Eyck-Retrospektive




















