Flämische Türme und Giebel
Belfried / Glockenturm / Glockenspiel
In Belgien gibt es 26 flämische und 6 wallonische Belfriede. In den Gebieten, die 1678 zu Frankreich kamen und bis dahin den burgundischen und spanischen Niederlanden angehörten, befinden sich ebenfalls 23 dieser mittelalterlichen Glockentürme. Die meisten Belfriede wurden zur Zeit der Gotik gebaut und gehören zu den bedeutendsten Profanbauten des Mittelalters. Ihnen gingen häufig nicht mehr erhaltene hölzerne Türme voraus. Sie wurden von den weltlichen Stadtbehörden, den Zünften bzw. Gilden als Symbol des Selbstbewusstsein eines freien von den Landesfürsten und auch der Kirche unabhängigen Bürgertums errichtet. Meist ist der Belfried mit dem Rathaus verbunden oder steht frei daneben. Als sicherster Ort einer Stadt beherbergte der Turm in seinem Innern das Stadtarchiv mit Freibriefen, Privilegien und Urkunden, die Schatzkammer und oft auch ein Gefängnis. Darüber hinaus diente er als Wachturm (um Feinde, aber auch Stadtbrände schnell zu entdecken) und zum Ausrufen öffentlicher Angelegenheiten. Diese Aufgaben wurden vom Türmer wahrgenommen.
In manchen Städten ist der Kirchturm meist zugleich der Stadtturm, bzw. Glockenturm. Eine Stadtglocke, ab dem 16. Jahrhundert auch das Carillon, dessen Hauptverbreitungsgebiete ebenfalls in Belgien, Nordfrankreich und den Niederlanden liegen, strukturierte die Zeit und gab das Signal zum Öffnen und Schließen der Stadttore, markierte Anfang und Ende der Arbeitszeit oder läutete zu Festivitäten. (Quelle: wikipedia)
Glockenturm von Brügge
Die Glocken produzieren mechanische Musik in bemerkenswert feinen Melodien, zur vollen, halben und auch Viertelstunde, jedesmal eine andere, ausgenommen nachts.
Belfried und Uhrwerkkammer in Gent
Bild links: Jules de Bruycker, Montage des Drachen auf den Belfried, Radierung, Gent (1914)
Bild rechts: Doppelgänger des Drachen, dem Wahrzeichen der Stadt Gent, auf der mehr als 90m hohen Turmspitze des Belfried in Ghent
Nachdem die 14 Vorschlagglocken des Genter Glockenspiels um die Mitte des 17. Jahrhunderts abgenutzt waren, goss der berühmte niederländische Glockengießer Pieter Hemony aus Zupthen 37 makellose Glocken. Die Glockenspeise bestand aus dem alten Glockenspiel und der Glocke Roeland. Ein Jahr später kamen 3 große Lautglocken, die Triumfanten, dazu. 1913 wurde eine weitere Oktav hinzugefügt, so dass das Glockenspiel nun 52 Glocken umfasste. Anfang der 60er Jahre war das Glockenspiel erneut unspielbar geworden. Nach einer gründlichen Restaurierung wurde es 1982 neu eingespielt. Das Glockenspiel zählt heute 28 historische Glocken und wurde 1993 auf 54 erweitert.
Glockenspielschule - Royal Carillon School 'Jef Denyn' Mechelen
Das unauffällige Haus an einer ruhigen Straßenecke in Mechelen beherbergt die erste und einzige Glockenspielschule der Welt. Unterstützt von Amerikanischen Sponsoren, gründete der belgische Glockenspieler Jef Denyn 1922 dieses Ausbildungszentrum, das bis heute die Glockenspielkultur der Welt beeinflusst. Während des sechsjährigen Studiums werden Studenten in die Fächer Glockenspiel, Harmonielehre, sowie Kampanologie (Glockenkunde) und Chorgesang eingewiesen. Sie lernen Pedalerie und Klaviatur, Klöppel bewegen, Tasten auf verschiedene Arten anzuschlagen. Zum Abschluss erhalten sie ein Diplom. Beim internationalen Glockenspiel-Wettbewerb "Königin Fabiola" treffen sich hier Glockenspieler und Interessierte aus aller Welt. Für Besucher bietet die Königliche Glockenspielschule Führungen an, die die Besichtigung der Schule, einen Besuch des benachbarten Schulmuseums mit anschließender Besteigung des St.-Rombouts-Turms und Demonstration des alten und des neuen Glockenspiels der Kirche beinhalten.











