Zitate
Hermann Hesse zum Wein / aus "Peter Camenzind"
So ist der Wein. Es ist mit ihm wie mit allen köstlichen Gaben und Künsten. Er will geliebt, gesucht, verstanden und mit Mühen gewonnen sein. Das können nicht viele und es bringt tausende um tausende um. Er macht sie alt, er tötet sie oder löscht die Flamme des Geistes in ihnen aus. Seine Lieblinge aber lädt er zu Festen ein und baut ihnen Regenbogennrücken zu seligen Inseln. Er legt, wenn sie müde sind, Kissen unter ihr Haupt und umfasst sie, wenn sie der Traurigkeit zur Beute fallen, mit leiser und gütiger Umarmung wie ein freund und wie eine tröstende Mutter. Er wandelt die Wirrnis des Lebens in große Mythen und spielt auf der mächtigen Harfe das Lied der Schöpfung.
(gefunden in "Wo der Wein blüht", von Franz Hubmann)