Friedhof Pére Lachaise, 20. Arrondissement

 

Auf dem Cimetiére Père Lachaise, dem größten Friedhof von Paris, kann man in aller Ruhe viele Stunden verbringen ohne zu bemerken, wie die Zeit vergeht.  Nur eine Horde von Krähen oder Raben lärmt um ein paar Gräber, immer wieder mal auf die Bäume flatternd, wenn man ihnen zu nahe kommt, verschwinden, wie die Katze, die sich eben noch auf dem Grab in der Morgensonne ihr Fell geputzt hat.

Grab, Cimetiere Pere Lachaise

Hügelig, vielseitig liegt er in der Landschaft: auf der einen Seite wie ein kleines verlassenes Dorf auf dem Land mit alten Häuschen, rostigen Türen, schiefen Wänden, verwelkten Blumentrögen und verfallenden Bänken, auf der anderen  wie eine bergab sich schlängelnde Kellergasse, in der sich Giebel an Giebel drängt, oder dort drüben, prächtige Pavillons in einer akurat gepflegten Parkanlage und, wo sich die schweren glänzenden Marmorplatten und Steine jüngeren (Todes-)Datums eng aneinander reihen, wie eine kleine Stadt, mit schmucken Reihenhäusern, in der eine solches Grabmonument den Hinterbliebenen wohl nicht den Preis einer Eigentumswohnung abverlangt, vielleicht aber den eines Kleinwagens.

Gräber, Cimetiere Pere Lachaise

Kaum jemand ist zwischen den Sectionen und Divisionen aus Gräbern zu sehen morgens: ein paar Gärtner gehen gut gelaunt an ihre Arbeit, am Urnenfriedhof wird ein sehr kleines Begräbnis vorbereitet. Gegen Mittag streifen schon mehr Besucher durch die Avenues und Transversalen. 

Grab von Oscar Wilde auf dem Friedhof Pere Lachaise, Paris

"Let's kiss Oscar Wilde!" Unter ihnen sinkt merklich die Schwelle, den oder die nächste/n Unbekannte/n zu fragen, wo denn nun tatsächlich James Douglas Morrison läge oder Frederic Chopin, man sei schon so oft nach dem Plan der Berühmtheiten an der bezeichneten Stelle vorbeigekommen, Yves Montand muss doch da wo sein, nach einigem Hin und Her zu Lebzeiten mit Simon Signoret nun endgültig im Tod vereint! "Give us a sign, when you have seen Edith Piaf!" Der Cimetière Pére Lachaise ist jedoch so groß, dass sich die Grüppchen schnell wieder verlaufen, nachdem sie gefunden, was sie gesucht haben.

Gräber, Cimetiere Pere Lachaise

Über alles hinweg blicken die Büsten einiger Verstorbener, unberührt, kaum melancholisch oder traurig sondern eher ernst, stolz und schön. Viele freundliche, zufriedene, heitere Figuren, auch Schlafende entdeckt man. Es ist naheliegend sich vorzustellen hier begraben zu liegen, im wörtlichsten Sinne in Frieden zu ruhen. Am schönsten, bezauberndsten ist jener Teil des Friedhofs, der langsam und unaufhaltsam der Verwitterung anheim fällt, wo die Natur sich ihr Terrain zwischen versinkenden Grabsteinen, umgestürzten Säulen, zerbrochenen Scheiben, versteckten Treppchen mehr und mehr zurückholt, wo der Blick über ein Urwald - Dach fällt, unter dem die Toten sind, unter einem einzigen Grün aus moosbedeckten Steinplatten, Gras, Blättern. Verwachsen, mit der Erde.

 

 

 

 
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