Vatikan

 

Das Gebiet des antiken "ager vaticanus" war als Ackerland genutzt worden, bevor die Caesaren Caligula und Nero darauf einen Circus anlegten. Nachdem der Apostel Petrus 67 n. Chr. hier den Märtyrertod starb, wurde der ager zum geheiligten Acker und Wallfahrtsort. Kaiser Konstantin ließ über Petrus' Grab im 4.Jh. eine  Basilika errichten, die von Papst Sylvester 326 n.Chr. geweiht wurde. Papst Leo IV. befestigte das Gebiet, inklusive der Engelsburg im 9.Jh. - es wurde "Città Leonina" genannt. Verschiedene Renaissance- und Barock-Päpste beauftragten Künstler und Architekten mit der Neugestaltung der Basilika di San Pietro und der Piazza davor. Nach Entstehung des italienischen Staates im 19. Jahrhundert dauerte es noch bis zu den Lateranverträgen 1929, in denen die Souveränität eines eigenen Vatikanischen Staates manifestiert wurde, der jedoch nicht die ganze Città Leonina und nicht mehr die Engelsburg umfasst, sondern sich auf das Gebiet westlich der Kolonnaden und des Vatikanpalastes beschränkt. Papst Pius XI. ließ nach Unterzeichnung der Verträge den Gouverneurspalast, einen Bahnhof, die Pinakothek und die Wendeltreppe zu den Vatikanischen Museen errichten.

 

Basilika San Pietro / Baugeschichte

Im 14.Jh. musste die Basilika aus der Konstantinischen Zeit wegen Baufälligkeit restauriert werden. Papst Nikolaus V. plante bereits einen Neubau, der nach seinem Tod eingestellt wurde. Papst Julius II. (1503-13) beauftragt den in Rom tätigen Donato Bramante mit dem Abriss der alten Basilika, und einem Neubau an derselben Stelle. Erste Projektskizzen aus der Zeit von Julius II. und Leo X. wurden von Bramante ausgeführt und zeigen einen Zentralbau mit griechischem Kreuz als Grundriss. Von Bramantes Bau sind vier monumentalen Pfeiler erhalten, auf denen Michelangelos Kuppel ruht.
Nach Bramantes Tod 1514 leiteten Raffael und Giuliano da Sangallo den Bau der Basilika. Den Forderungen nach einem größeren Raum, also einem Langhaus, kamen Raffael und Sangallos jüngerer Bruder Antonio nach.
Papst Paul III. Farnese berief nach dem Tod der beiden Bauleiter Michelangelo zur Mitarbeit ein. Dessen Vorbild für die Kuppel war nicht das Pantheon sondern der Dom von Florenz. Michelangelo malte das monumentale Deckenfresko und das Jüngste Gericht an der Seitenwand der Sixtinischen Kapelle  und wird 1547 Baumeister des Petersdoms. Der Westbau mit den korinthischen Pilastern, die Attika und die Kuppel, die er nach seinem Tod 1564 als Holzmodell zurückließ, an das sich seine Nachfolger gehalten haben, sind Michelangelos größtes architektonisches Werk. Unter Papst Sixtus V. wird die Kuppel erst vollendet.
Ihm folgten Vignola und Domenico Fontana, die Bramantes und Michelangelos Idee vom Zentralbau wieder aufnehmen wollten, aber Papst Paul V. beharrte auf dem Langhaus, das er durch Carlo Maderno verwirklichen ließ. Dieser zeichnet auch für die Fassade verantwortlich.
Giovanni Lorenzo Bernini arbeitet unter seinen Gönnern, den Päpsten Urban VIII., Innozenz X. und Alexander VII., im Inneren der Basilika an Altären und Grabmälern und gestaltete den monumentalen Petersplatz mit den Kolonnaden.

 

Petersdom / Kunstwerke

In der mit 186 Metern (211 Meter mit Vorhalle) längsten und mit mehr als 15000m² größten Kirche der Welt befinden sich über 100 große Marmorstatuen, 160 aus Travertin, 90 aus Stuck, 40 aus Bronze und 24 große Papstgräber.

Pietà / Michelangelo

Die schönste Skulptur ist gleichzeitig das einzige von Michelangelo signierte Werk (auf dem Schulterband der Madonna). Die "Pietà" wird von dem 25jährigen in Caprese geborenen Florentiner zwischen 1497 und 1499 im Auftrag eines Kardinals und Gesandten des französischen Königs geschaffen. Jener wollte in der Kapelle des Königs bei Alt-St.Peter begraben werden. Die Pietà ist aus feinem Carrara-Marmor gehauen, technisch vollendet vor allem in der Politur und machte Michelangelo schnell berühmt. Nachdem die Kapelle im Zuge des Neubaus der Basilika abgerissen wurde, kam die Pieta an einen anderen Platz, bzw. ist sie seit 1749 an der heutigen Stelle. Nach einem Anschlag auf die Skulptur, bei dem das Gesicht Marias beschädigt wurde, steht sie hinter Panzerglas.

Bronzestatue des Apostels Petrus

Die Sitzstatue des Apostels Petrus ist die einzige Skulptur die bereits in der alten, konstantinischen Basilika gestanden hatte. Sie hat über alle Zeiten hinweg unzählige Pilger angezogen, die kommen um sie zu berühren, da sie als echtes Abbild des Apostels gilt und Segen bringen soll. Der rechte Fuß der Statue, die Arnolfo die Cambio zugeschrieben wird, wurde so oft berührt und geküsst, dass die Zehen kaum noch vorhanden sind.

 

Hochaltar & Kathedraaltar

Der Baldachin des gebürtigen Neapolitaners und größte Barockmeisters seiner Zeit, Giovanni Lorenzo Bernini, überdacht auf seinen 4 hohen, geschraubten Säulen mit Voluten aus Federn und Palmwedeln einen Tabernakel auf dem nur der Papst und die Kardinäle Messen lesen. Vier Engel bilden den Abschluss der vier gedrehten Säulen. Unter dem Hochaltar liegt die Confessio, der antiken Friedhof auf dem auch der Apostel begraben sein soll. Zu ihm ihm führt eine Marmortreppe.
Für die Apsis schuf Bernini den Kathedraaltar und einen würdigen Schrein für die Reliquie des Stuhls Petri, des "Heiligen Stuhls". Auf dem Unterbau des Altars stehen vier bronzene Kirchenväter, die den Heiligen Stuhl, ebenfalls aus Bronze, die "Kathedra" tragen. Darüber enie goldene Gloriole mit ovalen konzentrischen Galsscheiben, in deren Zentrum die Taube schwebt.
In Papst Urban VIII. Barberini, Innozent X. Pamphilij und Alexander VII. Chigi fand Bernini große Gönner, die ihn mit Aufträgen überhäuften.

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Grabmal Urban VIII. / Bernini

Capella San Nicola / "del Crocifisso" / Bernini

Denkmal der Markgräfin Mathilde / Bernini

Grabmal Alexanders VII. Chigi / Bernini

Grabmal Innozenz VIII. Cibo / Pollaiuolo (1498)

Taufkapelle / Taufbecken / Carlo Fontana

Grabmal Sixtus IV. Rovere

in den Grotten:

Grabmal Bonifaz VIII. Caetani / Arnolfi di Cambio

Sarkophag von Kaiser Otto II.

Sitzstatue des Apostels Petrus

auf dem Dach:

Die Kuppel des Petersdoms

Michelangelos Kuppel ist mit 42 Metern Durchmessern zwar etwas kleiner als die des Pantheon, dafür ist sie mit der Spitze 132 Meter über dem Erdboden (Pantheon 43 Meter).
Von dem Umgang der Laterne an der Spitze der gewaltigen Kuppel eröffnet sich ein fantastischer Rundblick auf den Vatikanischen Palast (bestehend aus 1400 Räumen), die gesamte Vatikanstadt - dem kleinsten Staat der Welt - mit seinen Bauten und den Vatikanischen Gärten, die für die Besucher nicht zugänglich sind. Das ganze Weichbild Roms liegt dem Betrachter zu Füßen, bei entsprechender Witterung reicht die Sicht über die mittelalterlichen Glockentürme und zahlreichen barocken Kuppeln bis hin zu den umliegenden Bergen.

 

Sixtinische Kapelle / Palastkapelle des Vatikan

Unter Papst Sixtus IV. Rovere (1471-1487) wurde die Sixtinische Kapelle errichtet, sie sollte groß sein und feierlichen Zeremonien dienen. Ihre Einfachheit ließ viel Raum und Höhe für eine prachtvolle Gestaltung der Wände - Papstbildnisse, Szenen aus dem Leben Mose und Christi -, die in der Frührenaissance in den Händen der Florentinischen Maler Domenico Ghirlandaio, Sandro Botticelli und Cosimo Roselli, sowie Signorelli aus Cortona und Perugino und Pinturicchio aus Umbrien lag.
Papst Julius II. beautragte 1508 den Florentiner Maler Michelangelo Buonarotti mit einem monumentales Deckenfresko für das über 800m² große Gewölbe. In den folgenden vier Jahren malte Michelangelo beinahe ununterbrochen unter schwierigsten Bedingungen hunderte Figuren aus der Schöpfungsgeschichte, Propheten, Sibyllen, Szenen aus dem Alten Testament, sowie die Vorfahren Christi. Hauptmotiv im Zentrum ist die "Erschaffung des Adam", weiters "Der Sündenfall", "Das Opfer des Noah", "Die Sintflut" und "Die Trunkenheit Noahs". Seine Szenen wirken dramatisch und sprechen von einem gewaltigen, strengen Gott und seinen unbeugsamen Gesetzen. Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde Michelangelo von den Päpsten Klemens VII. und später Paul III. zu einer Fortsetzung der Fresken in der Sixtina aufgefordert. Die Fresken des Vorgängers (Perugino) wurden im Zuge dessen zerstört. Der Fresko-Meister Michelangelo schuf auf der Stirnwand das "Jüngsten Gericht": Christus im Zentrum, die Gerechten steigen mit den Engeln zum Himmel, die Verdammten werden von Dämonen in die Hölle gezogen. Michelangelo malte alle Figuren nackt. Ende des 16.Jh. wurde dies als skandalös betrachtet und teilweise übermalt. (Daniele da Volterra, der damit beauftragt wurde bekam den Spitznamen "Braghettone", "Hosenmaler).
Bis heute tagt bei einer Papstwahl das Konklave in der versiegelten Sixtina.
1974 Ende der Restaurierung der Wand-Fresken aus dem Quattrocento
1980-1992 Restaurierung der Deckenfresken Michelangelos

 

 

Petersplatz / Piazza San Pietro / G.Bernini

Der riesige elliptische Petersplatz - die "Piazza obliqua" - ist ein Werk des Barock-Architekten Gianlorenzo Bernini, das dieser - beauftragt von Papst Alexander VII., von dem die Idee des Ovals stammt - zwischen 1665 und 1667 schuf. Vor dem Oval liegt die trapezförmige "Piazza retta", die direkt zu den Stufen von San Pietro führt. Der Platz steigt bis zum Eingang der Basilika 4 Meter an. Wie mit weit geöffneten Armen sollten die Christen und solche, die es noch werden sollen / wollen an diesem Platz aufgenommen werden. Die mächtige Kolonnaden, die  beidseitige halbrunde Begrenzung des Platzes, besteht aus einem vierfachen  Säulengang mit 284 Säulen. 140 Heiligenstatuen krönen sie.

 

Brunnen / Carlo Maderno

Die beiden Springbrunnen links und rechts in den Halbkreisen der Piazza San Pietro stammen von Carlo Maderno. Oberhalb der Brunnen zwischen den Figuren auf den Kolonnaden ist das Wappen von Papst Alexander VII. angebracht. Zwischen dem Obelisken und den Springbrunnen markieren runde Steinplatten die Stellen, von denen aus man in den Kolonnaden nur eine Säulenreihe sieht.

Aufstellung des Obelisken

Wandmalereien in den Vatikanischen Museen zeigen den technischen Aufwand vor der Basilika San Pietro, als der namen- und inschriftenlose Obelisk, nachdem er auf dem ehemaligen Circus gefunden wurde, auf Geheiß des Papstes 1586 an seinem heutigen Standort aufgestellt wurde.

 

Musei Vaticani / Vatikanische Museen

Vatikanische Bibliothek

 
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