Wein & Weinviertel
Sammlung für Begriffe und Ausdrücke, die mit Wein, Weinbau, Weinviertel etc. zu tun haben.
>> K wie Keller >> P wie Presshaus >> W wie Wein
Kellergasse / Kellertrift
...ein für die Weinviertler Region typisches, landschaftliches und architektonisches Phänomen, das bedingt ist durch die noch nicht ganz eindeutig ergründete Tatsache, dass die Weinbauern hier den Wein nicht in den Kellern ihrer Wohnhäuser lagern sondern außerhalb des Dorfes in eigenen meist zeilenartig angelegten Dörfern - ohne Kirchturm und ohne Rauchfang (letzteres trifft heute allerdings kaum noch zu). Die einander echt ähnlich sehenden Presshäuser und Kellerabgänge, führen in das kompakt sandige und / oder gewölbte Reich des Weines hinunter, das von den Weinbauern regelmäßig bis täglich als Rückzugsort genutzt wird. Eine Erklärung für ihre Lage außerhalb der Dörfer ist, um sie vor Hochwasser schützen zu können. Der Beginn der Entstehung von Kellergassen wird im 17., die Blütezeit im 19.Jh. angesiedelt.
Abbildungen von oben nach unten: Kellergassen von Mailberg, Oberstinkenbrunn, Großkadolz
Kellermänner
ugs. "Kölamauna" sind ältere Weinbauern / Wein-Experten, die früher die Kellerarbeit verrichtet haben und sich nun meist täglich - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Traktor - in die Kellergasse aufmachen um mit ihresgleichen - meist in blauer Kellerkluft - ober- oder unterirdisch über ihre eigenen oder die Weine der Nachbarn und Allgemeines zu befinden.
Kellerröhren
die "Kölarean"sind in den Löss gegrabene Gänge und Wölbungen, die leicht ansteigend oder abfallend im Boden unter dem Presshaus, unter der Kellergasse bzw. den angrenzenden Grundstücken verlaufen. Über diese unterirdischen Wege wölben sich Lössdecken oder aus Ziegeln gemauerte Bögen. Die Kellerröhren münden in Nischen und Abzweigungen, Winkerl und Höhlen. Manche von Ihnen sind mit elektrischem Licht versorgt, andere müssen mit der Kellerkerze oder der Taschenlampe erleuchtet werden. An den Wänden entdeckt man: Münzen im Kellerschlatz, durch Sickerwasser abeglagerte Mineralien, Inschriften, Lössschnitzereien, schwarzen Kellerschwamm und weißen Schimmel. Von der Decke hängen Wurzelfasern, am hinteren Ende eines Ganges führt ein Dunstloch an die Oberfläche. Und vor allem: hier herrscht absolute Stille, kein handy-Empfang!
Kellerschimmel / Kellerschlatz
der Kellerschimmel oder schwarze Kellerschwamm, lat. cladiosporum cellare, der Flaschen, Fässer und Wände überzieht, wird auf Grund seiner pelzigen Konsistenz und der dunklen Farbe als "schwarze Katze" oder "Kellerkatz" bezeichnet; er hilft mit die Luftfeuchtigkeit im Weinkeller zu regulieren; eine ebenfalls dunkle, fleckige, jedoch feuchte, glasige, Schicht an den Kellermauern bildet der sogenannte Kellerschlatz, der Überlieferung nach ist er vom Teufel hingespuckt worden; wenn man eine Münze in diesen glitschigen Überzug hineindrückt, kann man sich etwas wünschen; es soll einem selbst und dem Winzer Glück bringen.
Kellerschlüssel / Presshausschlüssel / Kellerschloss
Große, schwere Kellerschlüssel sind "...sogar bei einer Wirtshausrauferei noch zu etwas gut." (Polt III) Sie wurden traditionell vom Vater an den Sohn weitergegeben, womit diesem die Berechtigung zum Eintritt in die Erwachsenenwelt attestiert wird.
Kellertür / Gärgitter
früher meist Zimmermannsarbeit aus Eiche oder anderen harten Hölzern mit unterschiedlichen Mustern: Sonne, Halbsonne, Stern, Malkreuz, Raute. Der Pfosten in der Mitte ist der Türgrad. Auf ihm, auf dem schmiedeeisernen, mittigen Beschlag der Kellertür oder auf dem Kellerschloss wurde oft das Erbauungsjahr festgehalten. Manche Kellertüren haben in geöffnetem Zustand das Gärgitter vorgelagert (oder Gärtürl, oder Holzrost). So wird zum Teil heute noch der Keller gelüftet, können also die Gärgase entweichen, während er abgeschlossen ist. Besonderheiten der Türen sind die eisenen, handgeschmiedeten, Türknäufe, Nägel und Schlösser.
Presse
Steinpresse / Baumpresse / Hengstpresse
...drei Bezeichnungen für die mächtige Weinpresse, die heute so gut wie gar nicht mehr in Betrieb ist, jedoch noch in manchen Presshäusern oder Ortseinfahrten im Freien zu sehen ist. "Die ganze uralte Maschine ist ein riesiges Hebelwerk. Zwei Schwergewichte werden gegeneinander ausgespielt: Pressstein und Pressbalken." (aus : Polt IV) Bestandteile: u.a. massiv hölzerner Pressbalken (auch Hengst od. Baum genannt), Presskorb, Pressstein, Dotschen od. Gans, Bauern, Brustriegel, Dorn, Quargelkastel. Alle weiteren Details findet man durch Anklicken der Grafik links.
Presshaus / Mauern
Je älter die Wand, desto einfacher das Material. Bild links: zum Verputzen wurde ursprünglich ein Gemisch aus Stroh und Lehm über ungebrannten Lehmziegeln (Bild Mitte) verwendet, später Tonziegel (Bild rechts), in jüngerer Zeit Hohlziegel.
Weinbau
Generell sind aus der Wildrebe durch Züchtungen inzwischen rund 8000 Weinsorten hervorgegangen; der Beginn der Geschichte des Weinbaues im Weinviertel wird von Wissenschaftlern auf Grund von Funden von Weintrauben-Kernen und Trinkgefäßen in die Zeit um 1000 v.Chr. angesiedelt; seit dem 14.Jh. kann man von vermehrtem Weinanbau und rationeller Verarbeitung sprechen; seit dieser Zeit etwa gruben die Bauern aus Platzgründen außerhalb des Dorfes Kellerröhren in die Lößhügel und setzten Presshäuser davor; im 19.Jh. war die Blütezeit des Weinbaus im Weinviertel (das von der Industrialisierung - Zuckerfabriken, Ziegelbrennereien - nur gestreift wurde, die mit Errichtung des eisernen Vorhangs, als die Straßen zu den nördlichen Nachbarn Sackgassen wurden, fast gänzlich zum Erliegen kam); der Weinbau im Weinviertel macht seinem Namen zum Trotz nur 5% der Wirtschaftsfläche (ca. 4000km²) aus;
Weingartler
oder Weingartenpfirsiche sind wilde Pfirsiche, die in Weingärten kultiviert werden, deren meist trockene, warme Böden ihnen gut bekommen; ihre Verbreitung findet über den Pfirsichkern und nicht über Veredelung statt; sie werden - für Pfirsiche - relativ spät, zur Zeit der Weinlese, bzw. bis Ende September reif und können geerntet werden; rosiges, günlich-gelbliches, pelziges Äußeres umschließt das fast weiße, intensiv schmeckende Fruchtfleisch und hinterläßt dezent einen leicht bitteren Nachgeschmack; dem einen oder anderen Spitzenwein wird in der Nase, am Gaumen oder im Abgang ein Bukett nach Weingartenpfirsichen zugeschrieben...
Weinlese
Ende September, Rotweinlese in Haugsdorf, mit Traktor, Lesewagen und einem Trupp WeinleserInnen, Familie und Freunden, Jung und Alt, geht es in die Weingärten; Zweigelt und Blauer Portugieser: Schoa um "Schoa" (= 1 Reihe/Zeile mit Weinstöcken), werden die "Weinber" (=Trauben) geschnitten, die vollen Scheibtruhen in den Lesewagen entleert; vor dem Presshaus in der Kellergasse wird das Lesegut vom Lesewagen in den Rebler gesaugt, von Stiel und Blatt befreit, zerquetscht und in Bottiche geleitet, in denen der Saft unter einer Abdeckung gärt; mit dem Refraktometer misst man den Zuckergehalt im Most;























